Mystery Shopping
Diverse Discounter haben es vorgemacht und teilweise übertrieben. Kameras an allen Ecken und Enden damit der Chef genau Bescheid weiß. Das Ganze hat sogar einen Namen: Mystery Shopping. Alle halbe Jahr erfindet unsere Businesswelt ein neues, innovatives und hippes Wort für Dinge, die wir eigentlich ganz einfach benennen würden, aber so isses, immer wieder mal „Neues“.
Mystery Shopping ist nichts anderes als „Spionage“ unter dem Deckmantel: „Schließlich muss ich wissen was meine Mitarbeiter so treiben“. Wird der Kunde auch ordentlich bedient, wer stellt sich dumm an beim verkaufen, welchem Verkäufer ist egal, ob der Chef Umsatz macht etc. In gewisser Weise kann ich es ja verstehen, aber es gibt talentierte Verkäufer und eben weniger talentierte. Als Chef obliegt es aber ihnen zu erkennen, wer ist für den Job geeignet ist.
Die Motivation Optimierungsmöglichkeiten zu verbessern ist natürlich legitim, aber das macht nur Sinn bei periodischen Aktionen. Einmal im Quartal für zwei Wochen und alle Mitarbeiter wissen Bescheid bringt Schwung in die Bude. Und sind die zwei Wochen rum, will man sich als Mitarbeiter nicht lumpen lassen, schließlich bleibt man für den Chef und die Mitarbeiter messbar – man hat es ja schließlich mal gekonnt – zumindest zwei Wochen lang.
Im Zuge kleiner Renovierungsarbeiten war ich kürzlich in einem Baumarkt und besorgte mir noch Pinsel zum streichen der Wohnzimmerwand, da ich eine Frau bin, konnte ich nicht widerstehen und wurde schwach bei diversen „Angeboten“. Gut gelaunt schob ich meine Beute gen Kasse und was dann passierte machte mich sprachlos und das passiert nicht alle Tage. Eine rundliche, rotbackige Verkäuferin mit kunstvoll angelegten Löckchen begrüßte mich mit: „Wie geht es Ihnen!“ Ich war so sprachlos, dass ich erst nichts sagen konnte und wirklich mit offenem Mund still vor ihr stand. Die Pause dauerte wohl für die Dame zu lange und sie legte noch ein „geht´s ihnen gut?“ nach. Das haute mich wirklich glatt um und ich grinste bis über beide Ohren, nahm eine bequeme Stellung ein und freute mich über ein Pläuschchen an der Kasse. Wir redeten im Stenostil über das Wetter, über den Kundenzuwachs sobald sich die Sonne zeigt und dass Frauen das meist mit einem Friseurbesuch verbinden und das war wohl mein Stichwort das Haargebilde zu bewundern, welches ich natürlich sofort umsetzte. Als ich meine Sachen im Einkaufswagen verstaut und bezahlt hatte, beugte sie sich leicht verschwörerisch über das Band in meine Richtung, senkte die Stimme und fragte mich: „Waren sie auch zufrieden mit uns?“ Nun ein zweites Mal wollte ich nicht so dämlich dastehen, ich stieg auf die „Verschwörung“ ein und sagte ihr voller Überzeugung „Ich wurde im Servicebereich noch nie so freundlich begrüßt und bedient!“ Im nach hinein tut es mir nur leid, dass ich es nicht laut gesagt hatte, denn das hätte jeder hören sollen, auch die Chefetage.
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, könnte es natürlich sein, dass genau für diesen Baumarkt „Mystery Shopping“ normal ist, vielleicht wissen alle Mitarbeiter Bescheid und geben sich deshalb besonders Mühe. Ich werde einfach in zwei Wochen noch mal einkaufen, ich brauche noch ein paar Glühbirnen, mal schauen, ob ich wieder so viel Glück habe!








